Eins, zwei, drei - windelfrei!

Als ich zum ersten Mal von "Windelfrei" gehört habe, war mein Urteil schnell gefällt: Öko, alternativ, fernab der Realität - nichts für mich! Maël kam zur Welt, ich deckte mich mit unzähligen Wegwerfwindeln ein, wickelte, wickelte, wickelte, regte mich über ausgelaufene Windeln auf und wickelte, wickelte und wickelte weiter. Nun ist er 2 1/2 Jahre alt, wird immer noch gewickelt, findet dies jedoch längst nicht mehr so prickelnd wie zu Beginn... Wie viele Kinder weigert er sich, die Windeln zu wechseln lassen, auch wenn sie schon lange voll sind. Ein roter Po und Schmerzen sind die Folge - auf die Toilette möchte er aber auch nicht... Deshalb habe ich mich vor der Geburt meiner Tochter Léan zum ersten Mal richtig mit dem Thema auseinandergesetzt und durfte dabei einiges lernen:

 

In weiten Teilen der Welt sind Babys ohne Windeln vollkommen normal - 80% (!) der Weltbevölkerung hat überhaupt keinen Zugang zu Windeln! Babys haben von Geburt an das Bedürfnis trocken und sauber zu sein. Das ist bei uns Erwachsenen ja nicht anders: Die Vorstellung einer Windel, welche nur wenige Male am Tag gewechselt wird, bereitet uns eher Unbehagen als Wohlgefallen... Und da geht es Babys genau gleich: Babys weinen nicht nur bei vollen Windeln - sie merken und signalisieren schon vor ihrem Geschäft, dass sich im Bauch etwas tut, und Eltern können darauf reagieren!

 

Windelfrei ist somit keine neuartige Mode und auch kein verfrühtes Sauberkeitstraining, bei dem irgendeine Art von Konditionierung des Kindes stattfindet. Windelfrei bedeutet nichts mehr, als mit dem Kind zu kommunizieren, seine Zeichen zu lesen und es in seinen Bedürfnissen ernst zu nehmen.

 

Der Name "Windelfrei" ist übrigens etwas irreführend: In Europa bedeutet Windelfrei meist, dass die Babys trotzdem Windeln tragen. Wenn das Baby jedoch signalisiert, dass jetzt etwas kommt, dann warten die Eltern nicht, bis die Windel voll ist, um sie dann zu wechseln, sondern ziehen ihr Baby schnell aus, halten es über die Toilette oder ein anderes Gefäss, wo es sich auf saubere Art und Weise erleichtern kann. Werden Babys regelmässig auf ihr Signalisieren hin abgehalten, spielt sich dies immer zuverlässiger ein. Ignorieren wir es jedoch, so lernt das Kind, dass nichts passiert, wenn es das Zeichen gibt und verlernt es so auch wieder. Spätestens, wenn wir mit drei Jahren dann langsam von der Windel wegkommen wollen, wird uns dies dann zum Verhängnis...

 

In meinem Windelfrei-Workshop erlernst du alles über das Mysterium "Babys ohne Windeln", das eben gar kein Mysterium ist... Obwohl die Grosseltern meiner Kleinen immer noch bei jedem Geschäft auf der Toilette freudig durch die Gegend hüpfen und auf ihre Enkeltochter sooooo stolz sind! ;-)