Windelfrei – brauch ich das?

Windelfrei... Irgendwie scheint das ja mal wieder eines dieser Trendwörter zu sein, die zu unserer Schnelllebigkeit dazugehören – und genauso schnell wieder verschwinden. Gehört das nicht in die gleiche Schublade wie „Veganismus“, „Burn Out“ und „Entschleunigung“? Brauchen wir das wirklich? Ging es nicht auch ohne?

 

 

Erstens ist Windelfrei keine neue Erfindung und zweitens hat es (übrigens wie die anderen Begriffe auch) eine überzeugende Daseinsberechtigung! Hier meine Top 5 der Gründe, weshalb man sich mit dem Thema Windelfrei auseinandersetzen sollte:

1. Babys ohne Windeln funktioniert!

Für viele von uns gehören Babys und Windeln einfach zusammen. Aber wusstet ihr, dass rund 80% der Babys dieser Welt ohne Windeln auskommen? Es gibt Kulturen, da sind die Babys schon im Alter von 6 Monaten tagsüber und nachts trocken. In Westeuropa jedoch liegt der Durchschnitt bei 3 Jahren – Tendenz steigend... Wir sehen an diesen Werten, dass es nicht die Biologie ist, die bestimmt, wann unsere Kindern trocken werden. Es ist unsere Kultur, die die Vorgabe macht. Und somit können wir den Zeitpunkt ändern! Wir hören auf unsere Kinder, wenn sie Hunger haben. Wir hören auf sie, wenn sie müde sind. Wollen wir ihr Ausscheidungsbedürfnis einfach ignorieren?

2. Windeln bedeuten Arbeit!

Wer ein Baby hat, wechselt Windeln. Der Durchschnitt liegt bei 5 Windeln am Tag. Je nach Inhalt kann diese Aufgabe zur reinsten Folter werden – gerade wenn die Windeln gar nicht das halten, was sie versprechen & sich der Inhalt über den ganzen Rücken des Kindes verteilt... Besonders schön wird die Aufgabe übrigens, wenn das Kind älter wird und sich trotz stinkendem Windelinhalt dieselbe einfach nicht wechseln lassen will. Meint ihr, da ist ein kurzes Abhalten über der Toilette wirklich anstrengender?    

3. Wegwerfwindeln bedeuten nicht das Paradies!

Es hört sich an wie ein Traum: Windeln mit Superabsorber, die die Nässe im Nullkommanichts einsaugen und das Kind somit für Stunden sauber und vor allem ruhig halten... In Wahrheit leiden jedoch viele Kinder im feuchtwarmen Windelklima an schmerzhafter Windeldermatitis. Ausserdem nimmt ihnen der Superabsorber die Fähigkeit, den eigenen Körper zu spüren. Keine Nässe bedeutet auch, dass unsere Kinder verlernen auf ihre Ausscheidungen zu achten. Nach Asthma ist Bettnässen heutzutage die zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter – wäre es nicht an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen?

4. Lasst uns an die Umwelt denken!

Im Durchschnitt verbrauchen wir pro Baby und Tag 5 Windeln. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Kind 3 Jahre lang gewickelt wird, sind wir bei 5475 Windeln. Für ein Kind! In Deutschland werden pro Tag 8.5 Millionen (!) Windeln entsorgt. Eine Windel wiederum braucht 500 Jahre um kompostiert zu werden. Was machen wir da?!?

5. Du kannst dein Geld besser ausgeben!

Für die Windelhersteller ist unser Windelkonsum natürlich eine wahre Goldgrube... 3 Jahre Wickelzeit kosten uns je nach Windelmodell zwischen 1000 und 3000.--. Mit Stoffwindeln können wir das auf ein paar hundert Franken reduzieren und dann sogar gleich für mehrere Kinder verwenden. Wenn wir Windeln aber ganz weglassen, kommt was raus? Genau, null...

Vielleicht ist „Windelfrei“ ein Trend, vielleicht auch nicht. Für mich bedeutet es auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0